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MI | 11.04.2012
Urlaub (Bild: APA)
WIRTSCHAFT
Gewerkschaft fordert mehr Urlaub
Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) will eine Woche mehr Urlaub für die Österreicher. Konkret fordert sie diese sechste Urlaubswoche schon ab 20 Jahren Betriebszugehörigkeit, fünf Jahre früher als derzeit.
"Längerfristig für alle ab 43-Jährigen"
Die Interessenvertretung könnte sich das aber für alle ab 43 Jahren vorstellen. Längerfristig sollen die sechs Wochen für alle Arbeitnehmer gelten. Für Firmen und Angestellte wäre das eine Win-Win-Situation, so die GPA-djp am Montag in einer Aussendung.
Umfrage bescheinigt Zustimmung
"Gesundheit, höhere Arbeitszufriedenheit und dadurch gesteigerte Leistungsfähigkeit gleichen die Kosten für Unternehmen aus", so Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA-djp. Dieses Mehr an Urlaub würde von den Österreichern jedenfalls gerne angenommen. Das zeige eine von der Gewerkschaft beim Meinungsforschungsinstitut IFES in Auftrag gegebene Telefonumfrage unter 500 Angestellten. Dieser Studie zufolge sind 70 Prozent der Befragten dafür, nur 27 Prozent dagegen.

Die meisten Befürworter finden sich mit 74 Prozent bei den einfachen Angestellten. Die Gegner sind mit 36 Prozent bei den leitenden Angestellten überrepräsentiert. "Längerfristig ist ein genereller Jahresurlaub von sechs Wochen für alle Dienstnehmer anzustreben", so Katzian. Kurzfristig fordert die Gewerkschaft das für alle, die 20 Jahre für ein und denselben Betrieb gearbeitet haben. Momentan gelten hier 25 Jahre.
Frauen im Nachteil.
Vor allem Bank- und Versicherungsangestellte
Nur 21 Prozent der ab 46-Jährigen und ein Drittel der ab 60-Jährigen haben die geltende 25-Jahre-Grenze geknackt, so der österreichische Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich. Die größten Chancen haben dabei nur 21 Prozent der ab 46-Jährigen.

Die größten Chancen haben Bank- und Versicherungsangestellte, jeder zweite Befragte hat dieses Ziel erreicht. Leitende Angestellte aller Branchen schaffen es noch zu 36 Prozent. Männer erreichen dieses Ziel mit 28 Prozent doppelt so oft wie Frauen (14 Prozent).
Der Urlaubsanspruch beträgt derzeit im Schnitt 26 Tage.
Jeder Zweite braucht Urlaub nicht auf
"Der Anspruch auf eine sechste Urlaubswoche ab einem Lebensalter von 43 Jahren" ist für Katzian eine weitere sinnvolle Variante. Dringend fordert er auch den Urlaubsanspruch für freie Dienstnehmer. Momentan beruht dieser auf freiwilligen Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber.

Aktuell beträgt der durchschnittliche Urlaubsanspruch laut Umfrage 26 Tage. Anspruch heißt aber nicht gleich Urlaub. Jeder Zweite nimmt sich nicht konsumierten Urlaub mit ins neue Jahr, im Schnitt sind es elf Tage. Die fehlende Urlaubsvertretung ist für 50 Prozent der Befragten daran schuld, bei den leitenden Angestellten ist sie es sogar in zwei von drei Fällen. 22 Prozent sparen auf einen längeren Urlaub, zehn Prozent ziehen die Arbeit der Freizeit vor.
Absage der Wirtschaftskammer
Die Wirtschaftskammer (WKÖ) erteilte der Forderung der GPA eine klare Absage. "Österreich ist bei Urlaub und Feiertagen bereits im EU-Spitzenfeld. Es gibt Europameistertitel, die sich Österreich als Wirtschaftsstandort nicht leisten kann", so WKÖ-Präsident Christoph Leitl. "Ich empfehle allen, zu unseren Wirtschaftskonkurrenten nach Asien oder Amerika zu schauen, wie hart und lange dort gearbeitet wird."

Im EU-Schnitt würden 21,5 Urlaubstage im Jahr gewährt, Österreich liege mit 25 Tagen - gemeinsam mit Dänemark, Frankreich, Luxemburg und Schweden - an der Spitze. Bei den gesetzlichen Feiertagen werde Österreich mit seinen 13 Tagen nur von Spanien und Zypern übertroffen (EU-Schnitt: 10,5 Tage).
"Falsches Signal"
Auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) wies die Forderung der Gewerkschaft klar zurück. Das wäre ein falsches Signal für den Wettbewerb, sagte Mitterlehner.

Man müsse derzeit schauen, dass die Konjunktur anspringe und man im Wettbewerb nicht zurückbleibe. Da sei der Vorschlag der Gewerkschaft „kein stimmiges Zeichen“, so Mitterlehner. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) meinte dagegen, man könnte über diesen Vorstoß diskutieren.
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