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MI | 11.04.2012
Eva Glawischnig (Bild: APA)
Forderung
Glawischnig: "Abtreibung auf Krankenschein"
Kritik an Zuständen in Österreich, die junge Frauen zu "Abtreibungstourismus" zwingen, übt die Vizechefin der Grünen, Eva Glawischnig. Ihre Forderung: Die Krankenkassen sollen die Kosten für Schwangerschaftsabbrüche übernehmen.
"Immer eine Notlösung"
"Abtreibung soll auf Krankenschein in öffentlichen Spitälern stattfinden", forderte Glawischnig Mittwochabend im ORF-Magazin "Wie bitte?"

Einen Schwangerschaftsabbruch mache "keine Frau aus Jux und Tollerei. Es ist immer eine Notlösung", so die grüne Politikerin.
"Sehr viele Hürden zu überwinden."
"Extrem heuchlerische Situation"
Glawischnig ortet eine "extrem heuchlerische Situation" in Österreich. Der Schwangerschaftsabbruch sei hier zu Lande zwar straffrei gestellt, in der Praxis gebe es aber "sehr viele Hürden zu überwinden – unter anderem auch eine finanzielle Hürde".

Frauen müssten in einer Situation, "in der man es ohnehin schon sehr schwer hat", oft weite Strecken zurücklegen.
Kosten führen zu "Abtreibungstourismus".
Auffälliges Ost-West-Gefälle
Der Hintergrund: Während im Rest von Österreich Schwangerschaftsabbrüche an öffentlichen Spitälern durchgeführt werden, können sich Frauen in Vorarlberg und Tirol nur an Privatärzte wenden - im Burgenland hat sich die Fristenlösung noch gar nicht durchgesetzt.

Das damit verbundene Kostengefälle - von 275 Euro in Wien bis zu 800 Euro in Tirol - führe zum "Abtreibungstourismus". Vor allem junge Westösterreicherinnen, die sich diese Preise nicht leisten können, fahren für den Eingriff nach Wien oder Salzburg.

Wobei auch die Ärzte in Salzburg schon einen weiten Weg hinter sich haben: Am Landeskrankenhaus werden seit drei Jahren Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt, jedoch nicht von Salzburger Ärzten. Jeden Samstag reist der Wiener Gynäkologe Christian Fiala, der eine Ambulanz in der Bundeshauptstadt betreibt, oder seine Kollegen an.
Gesetz aus dem Jahr 1974
In Österreich ist der Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten straffrei, die Kosten des Eingriffs werden aber lediglich in wenigen Ausnahmefällen von den Krankenkassen übernommen. Dieses Gesetz wurde 1974 nach harten Kontroversen mit den Stimmen der damals allein regierenden SPÖ beschlossen und trat am 1. Jänner 1975 in Kraft.
30.000 bis 40.000 Abtreibungen im Jahr
Jährlich komme es zu rund 30.000 bis 40.000 Abbrüchen in Österreich, schätzt Fiala. Eine Gesamtstatistik über die Anzahl von Schwangerschaftsabbrüchen ist in Österreich gesetzlich nicht vorgesehen.
Kritik von "Aktion Leben"
Die "Aktion Leben" wies die Forderung Glawischnigs zurück. "Glawischnig sollte sich lieber Gedanken darüber machen, wie die Politik Frauen das Leben mit Kindern erleichtern könnte. Denn hier gibt es wahrlich genug zu tun", sagte "Aktion Leben"-Generalsekretärin Karin Schmidtbauer. So gebe es noch immer keine staatlich finanzierte "Notfallshilfe für Frauen im Schwangerschaftskonflikt".
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