oesterreich.ORF.at ORF.at
MI | 11.04.2012
Pillen (Bild: APA)
Notfallsverhütung
"Pille danach" bald rezeptfrei?
Eine wesentliche Erleichterung für Frauen, die eine Notfallsverhütung brauchen: Die "Pille danach" soll in Österreich rezeptfrei werden. Bisher war das hoch dosierte Präparat nur schwer erhältlich.
"Wir haben uns im Obersten Sanitätsrat sehr positiv damit beschäftigt", bestätigte am Mittwoch bei der Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden in Salzburg (bis 2. März) der Grazer Gastroenterologe Günter Krejs (Medizinische Universität).
Seit 2000 zugelassen
Seit dem Jahr 2000 ist die "Pille danach" ("Vikela"), jenes Gestagen-Präparat, das nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft zeitlich begrenzt mit hoher Sicherheit verhindert, auch in Österreich zugelassen.
Keine "Abtreibungspille"
In einer Packung befindet sich eine Tablette, in der 1,5 Milligramm des Gestagens Levonorgestrel enthalten sind. Das Gestagen verhindert abhängig vom Zyklustag der Frau den Eisprung oder verhindert mit einer Zuverlässigkeit von 98 Prozent die Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutter.

Es handelt sich also um keine "Abtreibungspille". Eingenommen werden muss die Tablette so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, spätestens aber 72 Stunden danach.
Viele Ambulanzen verweigern Ausgabe.
Bisher nur schwer erhältlich
Gerade bei Notfällen war das Medikament bisher in Österreich wegen der Rezeptpflicht schwer erhältlich. In einer Umfrage stellte sich heraus, dass sich 28 Prozent von mehr als 100 Spitälern weigern, beispielsweise in der Ambulanz solche Rezepte auszustellen.

Manche Ärzte verlangen auch einen Schwangerschaftstest, obwohl Levonorgestrel hier laut wissenschaftlichen Studien keine Auswirkungen hat. Am Wochenende und in der Nacht sind aber niedergelassene Ärzte kaum verfügbar.

Vor allem junge Mädchen kamen nur schwer an diese Notfallsverhütung heran. Andererseits dürften rund 25 Prozent der viel traumatischeren Abtreibungen in Österreich bei jugendlichen Frauen durchgeführt werden.
"Ermutigende" Daten.
"Chancen stehen gut"
Gynäkologin Doris Gruber von der Universitätsfrauenklinik in Wien: "Die Chancen stehen gut, dass 'Vikela' rezeptfrei wird. Die Daten aus anderen Ländern sind sehr ermutigend. Das Gestagen ist gut verträglich. Man wird daran nicht herumkommen. Auch in den USA ist die 'Pille danach' jetzt rezeptfrei."

Dort allerdings wurde zu der skurrilen Regelung gegriffen, dass die Rezeptfreiheit nur für Frauen ab 18 besteht.

Krejs und die Gynäkologin betonten, dass eine Rezeptfreiheit der "Pille danach" nur dann einen Sinn ergebe, wenn sie für alle Frauen gelte. Sonst helfe das vielen Betroffenen in Konfliktsituationen kaum. Das Medikament sollte allerdings nur als Ausweg im Notfall verwendet werden.
Vorarlberg
Tirol
Salzburg
Kärnten
Steiermark
Oberösterreich
Niederösterreich
Wien
Burgenland

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News