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MI | 11.04.2012
Brot und Gebäck (Bild: ORF)
WIRTSCHAFT
Backwaren werden bald teurer
Konsumenten müssen bei Semmeln, Brot und Mehlspeisen bald tiefer in die Tasche greifen. Aufgrund steigender Rohstoffpreise und Personalkosten werden Backwaren ab Herbst um bis zu sieben Prozent teurer.
Auch Mehl und Mischfutter teurer
Die Preissteigerung wird je nach Backware unterschiedlich ausfallen. Der Preis für Schokoladencroissants wird wegen der um 50 Prozent gestiegenen Kakaopreise mehr steigen als der für Semmeln.

Auch an einer Preiserhöhung bei Mehl und Mischfutter führe kein Weg vorbei, sagte Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria.
Russisches Exportverbot
Der Markt befindet sich derzeit in Unruhe, weil die Getreideernte in Russland, Kasachstan und die Ukraine, drei der weltweit wichtigsten Getreideexporteure, heuer schwächer ausfällt als erwartet. Wegen der Ernteausfälle von geschätzten 20 Millionen Tonnen verhängte der russische Regierungschef, Wladimir Putin, sogar ein vorläufiges Exportverbot für Getreide.

Das lässt die Preise nach oben schnellen. Spekulanten, die an Warenterminbörsen in Agrarrohstoffe investieren, verknappen das Angebot und verstärken so den Trend zu steigenden Preisen. Wann die Blase platzt, weiß niemand. Die Bauern freuen sich in jedem Fall über die gestiegenen Preise und rechnen nicht damit, dass sie wieder in den Keller rasseln.
Weltweit genug Getreide gebunkert
Doch selbst wenn es 20 Millionen Tonnen Getreide weniger gibt, ist von Engpässen keine Spur, so Eduard Langer, Innungsmeister der Müller und Mischfuttererzeuger. Denn weltweit sind 200 Millionen Tonnen Getreide gebunkert. Selbst wenn es überhaupt keine Ernte gäbe, wäre der Markt vier Monate lang versorgt.

In Österreich befindet sich die Getreideernte gerade in ihrer finalen Phase. Es wird eine durchschnittliche Ernte erwartet. Schätzungen zufolge dürften heuer weltweit 650 Millionen Tonnen Getreide produziert werden.
Preise für Sonnenblumen, Sesam, Kürbiskerne, Molkereiprodukte, Butter, Palmöl, Kakao, Kaffee und Eier gestiegen.
Preiserhöhungen nicht nur bei Getreide
Hauptgrund für die angekündigte Preiserhöhung ist die Rohstoffentwicklung insgesamt, nicht nur die des Getreides. Die Preise für Sonnenblumen, Sesam, Kürbiskerne, Molkereiprodukte, Butter, Palmöl, Kakao, Kaffee und Eier, allesamt Produkte, die die Bäcker verarbeiten, sind zum Teil um bis zu 60 Prozent gestiegen.

"Wir haben die Preise jahrelang stabil gehalten, aber jetzt geht es nicht mehr", sagte der Obmann der Einkaufsgenossenschaft Bäko Österreich, Wolfgang Maurer.
Gewinnmargen für Bäcker sehr gering
Derzeit arbeiten 60 Prozent der Bäcker nicht kostendeckend. In der Branche sind, wenn überhaupt, Gewinnmargen von drei bis fünf Prozent möglich. Nur etwa zehn Prozent der Bäckereien arbeiten mit betriebswirtschaftlichen Gewinnen von fünf Prozent - und die werden nicht mit Brot und Gebäck gemacht.
Löwenanteil Personalkosten
Rund ein Drittel der anfallenden Kosten fallen in einem Bäckereibetrieb auf Materialkosten (Rohstoffe und Zutaten, Verpackung).

Der Löwenanteil liegt mit 44 Prozent bei den Personalkosten - je kleiner der Betrieb ist, desto höher die Kosten. Die nächste Lohnrunde steht im Herbst ins Haus, mit ein Grund, warum die Preise erst dann angehoben werden.
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