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SO | 12.02.2012
Depression (Bild: fotolia/kwest)
GESUNDHEIT
Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch
Schon jeder 16. Krankenstandstag ist auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen. Das geht aus den Zahlen des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger hervor. Die Ursachen für den Trend sind vielfältig.
Grafik: APA
Durchschnittliche Zahl der Krankenstandstage pro Beschäftigten/Jahr
Krankenstandstage rückläufig
Demnach waren die österreichischen Arbeiter und Angestellten im Vorjahr insgesamt 38,7 Millionen Tage lang im Krankenstand, 2,4 Millionen Fehltage wurden durch psychische Probleme verursacht.

Während die Zahl der Krankenstandstage im Vorjahr leicht zurückging, erhöhte sich die durchschnittliche Fehlzeit pro Arbeitnehmer leicht.

Das ist allerdings auch auf den krisenbedingten Rückgang der Beschäftigung zurückzuführen, denn im Vorjahr sank die Zahl der Arbeiter und Angestellten in Österreich erstmals seit Jahren (auf 3,07 Millionen Beschäftigte im Jahresdurchschnitt).
Grafik: APA
Krankenstandstage nach Erkrankungen in Millionen.
Weniger Arbeitsunfälle
Während die klassischen Arbeitsunfälle seit Jahren zurückgehen, sind psychisch bedingte Krankenstände auf dem Vormarsch: Vor zehn Jahren kamen auf 1.000 Arbeitnehmer noch 62 Arbeitsunfälle, im Vorjahr waren es nur noch 39.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen je 1.000 Arbeitnehmer stieg dagegen von 16,7 auf 21,3. 65.525 Arbeitnehmer ließen sich im Vorjahr wegen Alkoholismus, Depressionen oder Burn-out krankschreiben, davon 40.856 Frauen.

Durchschnittlich fallen diese Arbeitnehmer für 37 Tage aus - mehr als dreimal so lang wie bei anderen Krankheiten.
Einfluss der Arbeitsbedingungen
Die Hintergründe seien vielfältig, so Harald Schmadlbauer von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse (OÖGKK), wo ein entsprechendes Präventionsprojekt koordiniert wird.

Eine belastende familiäre Situation (z. B. Pflege) komme als Hintergrund von Burn-out-Fällen genauso infrage wie "unternehmenskulturelle Faktoren": vergiftetes Betriebsklima, Leistungsdruck, die Vermischung von Privat- und Berufsleben mit ständiger Erreichbarkeit und Rufbereitschaft selbst bei Handelsmitarbeiterinnen. Dazu komme aktuell die krisenbedingte Angst um den Arbeitsplatz.

Welchen Einfluss die Arbeitsbedingungen auf psychische Erkrankungen haben, wurde bisher nicht erforscht. Hier tappe man selbst noch im Dunkeln, sagte Alice Kundtner von der Wiener Arbeiterkammer (AK). Eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) soll nun etwas mehr Klarheit bringen.
Hohe Dunkelziffer.
Ein Drittel der Frühpensionierungen
Sowohl Schmadlbauer als auch Kundtner gehen von einer hohen Dunkelziffer an psychischen Erkrankungen aus, die in der Statistik nicht aufscheinen.

Kundtner verweist darauf, dass bereits ein Drittel der Frühpensionierungen wegen Berufsunfähigkeit bzw. Invalidität konkret aufgrund von psychischen Problemen genehmigt wird. Häufig hätten nämlich auch auf den ersten Blick körperliche Probleme wie Herzrhythmusstörungen und Bandscheibenvorfall psychische Ursachen.
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