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MO | 13.02.2012
Hofreitschule (Bild: APA)
Kultur
Österreichs immaterielles UNESCO-Kulturerbe
Die Klassische Reitkunst der Spanischen Hofreitschule, die Falknerei, der Imster Schemenlauf und das Heilwissen im Pinzgau sind nun nationales UNESCO-Kulturerbe. Am Mittwoch wurde die erste Liste des "immateriellen Kulturerbes in Österreich" erstellt.
"Wissen, Traditionen und Brauchtum"
Es sei "keine Sammlung hochkultureller Meisterleistungen, sondern von Wissen, Traditionen und Brauchtum, das von Generation zu Generation weitergegeben wird", betonte die Präsidentin der österreichischen UNESCO-Kommission, Eva Nowotny, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.
Die vorläufige Liste soll zu weiteren Einreichungen anregen.
Vorschläge aus der Bevölkerung
Die Vorschläge seien aus der lokalen Bevölkerung selbst gekommen, für die das betreffende "immaterielle Kulturgut" eine identitätsstiftende Bedeutung habe. Aus insgesamt 20 Nominierungen wählte der Fachbeirat 18 aus.

"Es ist nur eine erste Liste, die hoffentlich noch mehr Einreichungen anregt", sagte Nowotny. Denn zu manchem ausgewähltem Brauchtum wie dem Sternsingen im Villgratental dürfte es in Österreich ähnliche Traditionen geben, die man ebenfalls in einer Datenbank sammeln und "sichtbar machen" wolle.
UNESCO-Initiative "erweitert Kulturbegriff"
"Gerade in einer technikgläubigen Zeit können wir auf lokales Erfahrungswissen nicht verzichten", sagte Maria Walcher, Leiterin der Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe. Sie sieht durch die UNESCO-Initiative auch den "Kulturbegriff stark erweitert".

Dieser umfasst etwa hundertjährige Nachbarschaftshilfe, die Alpen-Kampfsportart "Hundstoaranggeln" und die "Apothekeneigenen Hausspezialitäten", um die die österreichischen Apotheker wegen strengerer EU-Vorschriften fürchten.
Keine Rechte mit Titel verbunden
Die Klassische Reitkunst, die Falknerei und die Imster Fasnacht samt Schemenlauf sind die ersten drei Posten, die von der österreichischen UNESCO-Kommission für die internationale Liste nominiert werden.

Rechte und Schutzbestimmungen sind mit dem Kulturerbe-Titel zunächst nicht verbunden. "Das ist ein ideeller Wert", so Nowotny, "aber auch eine Argumentationshilfe, wenn etwas wirklich bedroht ist."
Immaterielles Kulturerbe Österreichs
Folgende Einreichungen wurden durch den UNESCO-Fachbeirat für die erste Liste des immateriellen Kulturerbes in Österreich ausgewählt:

Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen einschließlich der Sprache:
Reitkunst der Spanischen Hofreitschule
Märchenerzählen
Slowenische Flur- und Hofnamen in Kärnten

Darstellende Künste:
Sternsingen im Villgratental

Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste:
Bergfeuer Ehrwald
Bleiberger Knappenkultur
Fasnacht in Imst - Schemenlauf
Hundstoaranggeln
Verein für Hilfe bei Brandfällen "Nebenleistung"
Vereinigte zu Tamsweg

Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum:
Falknerei
Heilwissen der Pinzgauerinnen
Traditioneller Salzkammergut-Vogelfang

Traditionelle Handwerkstechniken:
Apothekeneigene Hausspezialitäten
Bodensee-Radhaube in Lamespitze
Burgenländischer Indigo-Handblaudruck
Ferlacher Büchsenmacher
Lesachtaler Brotherstellung
Vorarlberg
Tirol
Salzburg
Kärnten
Steiermark
Oberösterreich
Niederösterreich
Wien
Burgenland

 
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