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MI | 11.04.2012
Tollwut-Warnschild (Bild: AP/Michael Probst (Montage))
Gesundheit
Österreich ist tollwutfrei
Die Tollwut ist in Österreich offenbar ausgerottet. Weder bei Mensch noch Tier hat es hierzulande in den letzten Jahren Infektionen gegeben. Regelmäßige Impfungen und Kontrollen werden aber weiter durchgeführt.
Anzeigepflicht binnen 24 Stunden.
Seit Jahren keine Infektion
Am Welt-Tollwuttag (28. September) soll Österreich daher von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Tierseuchenorganisation (OIE) zum tollwutfreien Gebiet erklärt werden.

Notwendig für diesen Status ist laut Gesundheitsministerium auch die vom Burgenland bis Vorarlberg gültige Anzeigepflicht der Krankheit binnen 24 Stunden.
Grafik: APA
Fälle seit 1989
Steirer starb 2004 an Tollwut
Vier Jahre ist es her, dass ein Österreicher zuletzt an Tollwut erkrankte. Ein 23-jähriger Steirer wurde 2004 im Juli während seines Urlaubs in Marokko von einem Hund gebissen und angesteckt, so die Daten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Im September - wenige Wochen nach der Infektion - starb der junge Mann.

Eine Ansteckung in Österreich liegt hingegen Jahrzehnte zurück. Zuletzt wurde das Virus 1979 durch einen Fuchsbiss auf einen Menschen übertragen.
Dutzende Todesopfer
Bis 1936 kam es in Wien, dem Burgenland, der Steiermark und in Niederösterreich allerdings mehrfach zu tödlichen Infektionen bei Menschen. Von 1919 bis 1926 starben 51 Personen, von 1928 bis 1936 zehn Männer und Frauen an dem Virus. Nach einer kurzfristigen Eindämmung der Krankheit kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer neuerlichen Ausbreitung der von Hunden übertragenen Tollwut. Sieben Menschen starben zwischen 1946 und 1949.

In den vergangenen Jahren sorgten besonders Tollwut-Übertragungen nach Transplantationen von Lungen und Nieren für Aufruhr. In Deutschland habe es 2005, in den USA 2004 derartige Vorfälle gegeben, so die AGES. In Österreich ist keine Ansteckung durch Organspenden bekannt.
Letzter Fall bei burgenländischem Pferd 2003
Bei Tieren kam es in den vergangenen Jahren allerdings dennoch immer wieder zu einzelnen Verdachtsfällen. Der jüngste mögliche Tollwutfall wurde im Jahr 2003 entdeckt. Bei einem Pferd im Burgenland ergab ein Labortest ein zweifelhaftes Ergebnis, laut dem eine Infektion nicht ausgeschlossen werden konnte, so das Gesundheitsministerium.

Trotz des Fehlens klassischer Symptome wurde das ältere Tier aus Sicherheitsgründen getötet und als Tollwutfall eingestuft.

Auch in den Jahren 2004 und 2006 wurden in Kärnten zwei Füchse entdeckt, bei denen man zunächst an einen Tollwutbefall glaubte. Laut Laboruntersuchungen handelte es sich jedoch nur um Tiere, bei denen der in Österreich eingesetzte Impfstamm nachgewiesen wurde, so das Gesundheitsministerium. Es wurde Entwarnung gegeben.
Fünf Jahre später gab es nur noch 95 Fälle.
1990 noch 2.091 infizierte Tiere
Die meisten Tollwutfälle gab es in den vergangenen 20 Jahren im Jahr 1990. Insgesamt 2.091 infizierte Tiere wurden in ganz Österreich gefunden, bei 76 davon handelte es sich um Haustiere.

Im Jahr darauf starteten flächendeckende Impfaktionen, bei denen Wildtiere mittels von Jägern per Hand ausgelegter Köder immunisiert wurden. Seit 1997 werden die etwa vier Zentimeter großen Fischmehlkugeln mit Antiviren von Flugzeugen abgeworfen.

Zwei Jahre nach Beginn zeigte die Impfaktion erste deutliche Erfolge. Die Zahl der infizierten Tiere sank im Jahr 1993 um knapp drei Viertel auf 675 Fälle. Bis 2001 kam es zu einer kontinuierlichen Abnahme: 1995 gab es 95 Ansteckungen, 1997 wurden nur noch acht tollwütige Tiere entdeckt. In den darauffolgenden Jahren waren es ein bis fünf Fälle pro Jahr.

2002 sorgte ein - vermutlich über die zugefrorene Drau zugewanderter - tollwütiger Fuchs allerdings für einen größeren Ausbruch der Krankheit. 24 Tiere - neben Füchsen auch Rehe, ein Hund und eine Katze - wurden infiziert. Vor Beginn der österreichweiten Impfaktion gab es vor allem in der Steiermark und in Kärnten die meisten Infektionen, ab 1991 verlagerte sich das Zentrum der Ansteckungen nach Tirol und ins Burgenland.
Tödliche Infektion
Bei der Tollwut handelt es sich um eine Zoonose. Das bedeutet, dass das Virus vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übergehen kann. Die Übertragung - akute Enzephalomyelitis - erfolgt ausschließlich mittels Speichel. Das Virus gelangt meist durch offene Wunden in den Organismus. Seltener, aber möglich ist auch eine Infektion über Schleimhäute. Über das Nervensystem gelangt der Erreger ins Gehirn und setzt sich dort fest.

Unterschieden wird anhand der Symptome zwischen zwei verschiedenen Krankheitsformen: Die "rasende" Tollwut zeigt sich beim Menschen durch Furcht, Unruhe und Hydrophobie, der Angst vor Wasser. Bei der "stillen" Wut sind hingegen depressive Verstimmungen und Bewusstseinsstörungen zu beobachten.

Die Krankheit hat einen absolut tödlichen Verlauf: Nach dem Auftreten der ersten Symptome führt eine Infektion innerhalb von zehn Tagen fast immer zum Koma oder Tod. Eine präventive Immunisierung direkt nach einem Biss ist möglich und wird mittels Impfung durchgeführt. Die Krankheit hat eine lange Inkubationszeit, noch Jahre nach einer Ansteckung ist ein Ausbruch möglich.
10.000 bis 20.000 Tiere landen jedes Jahr im Labor.
Köderauslegungen und Laborkontrollen
Weite Teile Europas sind heute fast zur Gänze tollwutfrei. Vor allem im östlichen Teil gibt es laut dem Gesundheitsministerium allerdings nach wie vor Fälle. Wildtierwanderungen, die sich nicht an Grenzen halten, stellen eine laufende Bedrohung dar. In Österreich werden daher weiterhin regelmäßige Impfungen und Kontrollen in gefährdeten Gebieten durchgeführt. Seit 1991 wurden insgesamt 13,8 Millionen Köder mit Antiviren ausgelegt.

Regelmäßig geimpft wird heute noch in den gefährdeten Regionen, sprich im gesamten Burgenland sowie an der niederösterreichischen Grenze zur Slowakei und im Grenzgebiet Kärntens und der Steiermark.

Zusätzlich gibt es regelmäßige Kontrollen toter Tiere im Labor. Nach den Vorgaben der WHO müssen in tollwutfreien Bereichen jährlich pro 100 Quadratkilometer vier Füchse und in gefährdeten Regionen acht Füchse untersucht werden. Österreich erfüllt diese Kriterien laut dem Gesundheitsministerium bei weitem: 10.000 bis 20.000 Tiere landen jedes Jahr im Labor.
Vorarlberg
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Wien
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