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MI | 11.04.2012
Übergewicht
Ein Viertel der Kinder zu dick
Ein Viertel der Kinder ist zu dick oder gar fettsüchtig (adipös). Mit einem Anteil von rund 25 Prozent liege Österreich im internationalen Vergleich eher im oberen Bereich, warnt die Wiener Psychologin Sabine Dietrich.
Situation dramatisch verschlechtert.
Über weltweitem Schnitt
Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren in den entwickelten Regionen der Erde offenbar dramatisch verschlechtert. Weltweit sind etwa zwölf Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren übergewichtig oder adipös.

In den USA sind es 35 Prozent, in Europa 25 Prozent. Auch im Nahen Osten betrifft die "Epidemie der zu vielen Kilos" schon etwas mehr als 20 Prozent des Nachwuchses.

Nur in Asien und im pazifischen Raum (etwa zwölf Prozent) und in Afrika mit etwa zwei Prozent ist das Problem noch kaum bekannt.
Fünf bis acht Prozent Adipöse
Für Österreich fehlen flächendeckende Zahlen. Eine Untersuchung der Wiener Universitäts-Kinderklinik bei 25.000 Kindern und Jugendlichen brachte folgende Ergebnisse: 19,2 Prozent der Kinder zwischen einem halben Jahr und zehn Jahren sind übergewichtig. Das trifft auch auf sogar 24,9 Prozent der Jugendlichen zu.

5,7 Prozent der jüngeren Gruppe und 6,1 Prozent der älteren sind adipös. 2,2 Prozent der unter Zehnjährigen haben enormes Übergewicht (morbide Adipositas).

"In Österreich dürften damit zehn bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig sein. Hinzu kommen fünf bis acht Prozent Adipöse", so Dietrich am Montag bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado (bis 27. Mai).
Umwelteinflüsse entscheidender Faktor
Schuld daran sind vor allem Umwelteinflüsse. "Es gibt keine Adipositas-Persönlichkeit. Übergewicht ist keine keine psychische Störung, auch keine Essstörung. Übergewicht ist eine Interaktion zwischen genetischer Prädisposition (Veranlagung, Anm.) und Umweltfaktoren", so die Expertin.

Da sich aber die Genetik der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten nie so rasch geändert haben kann wie die Rate der Übergewichtigen zugenommen hat, dürfte wohl die Umwelt die bestimmende Einflussgröße sein.
Kinder mit anderer Muttersprache mehr gefährdet.
Risikofaktoren bei Ernährung
Eltern mit niedrigerer Schulbildung, Nicht-Stillen im Säuglingsalter und mangelndes Wissen der Eltern in Ernährungsfragen sind Risikofaktoren.

Aus der Wiener Untersuchung ergibt sich auch, dass Kinder und Jugendliche mit einer anderen Muttersprache als Deutsch mehr gefährdet sind. So sind beispielsweise 34,3 von ihnen im Alter zwischen sieben und neun Jahren übergewichtig, unter den Gleichaltrigen mit Deutsch als Muttersprache sind des 26 Prozent - was auch noch mehr als genug ist.
Lebensqualität schlechter als jene von Krebskranken.
Psychische Begleiterkrankungen
Die Betroffenen leiden praktisch ständig unter ihrem Übergewicht. "Viele Kinder leiden an sozialer Stigmatisierung und psychischen Begleiterkrankungen. Sie werden oft gemobbt", so Dietrich.

"Wir haben immer wieder Kinder, die schon ein ganzes Jahr nur zu Hause sind. Bei ihnen ist der erste Kontakt dann telefonisch - bis sich die Kinder wieder zum ersten Mal außer Haus gehen trauen. (...) Stark übergewichtige Kinder haben eine Lebensqualität, die sie als schlechter ansehen als krebskranke Kinder ihre Lebensqualität beurteilen."
Hälfte hat bereits Vorstufe zu Diabetes
Was die Angelegenheit besonders gefährlich macht: Man geht davon aus, dass bereits 40 bis 50 Prozent der adipösen Kinder und Jugendlichen ein metabolisches Syndrom als Vorstufe zum Typ-2-Diabetes aufweisen: Bluthochdruck, Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen und bereits nachweisbare Anzeichen einer Atherosklerose.
Diät, Bewegung, psychologische Betreuung
Bei buchstäblich schwereren Fällen hilft da nur eine intensive Therapie mit Diät, Bewegung, psychologischer Betreuung etc.

Von Erfolg spricht man, wenn die Kinder innerhalb eines Jahres fünf Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Ein sehr guter Erfolg ist eine Reduktion um zehn Prozent binnen zwölf Monaten.
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